Rogue One: A Star Wars Story. Eine Rezension.


18 Uhr, die Sperrfrist ist abgelaufen. Jetzt dürfen wir über "Rogue One: A Star Wars Story“ berichten. Andreas Heinzgen mit einer Rezension dazu:


Zuallererst: DIES IST KEIN FILM FÜR KINDER!!!

Ich weiß, das wird Viele enttäuschen, und auch mein Elfjähriger war extrem unbegeistert, als ich ihm das gestern berichtete. Ist aber so. Bei der Pressevorführung konnte man mir die FSK-Freigabe noch nicht endgültig benennen – sie wird wohl auf „Frei ab 12“ hinauslaufen, aber ich rate dringend davon ab, den Film Kindern unter 14 Jahren zu zeigen.

„Rogue One“ erzählt die Vorgeschichte zu „Episode IV: Neue Hoffnung“, den Kurznachdemkrieggeborene wie ich schlicht als „Krieg der Sterne“ kennen. Er zeigt die in „Episode IV“ kurz angesprochene Mission, in der es Rebellen gelang, die Pläne des „Todessterns“ zu stehlen und an die Rebellenallianz weiterzugeben, wodurch diese (in Gestalt von Luke Skywalker) die ultimative Waffe des Imperiums zerstören konnten.

Und wie er sie zeigt!

Schon vorab war durchgesickert, dass RO rauher sein würde als die bisherigen sieben „Star Wars“-Filme. Aber mit welcher Konsequenz die Macher dieses Konzept durchgezogen haben, ist schlicht atemberaubend. Und es ist extrem mutig, innerhalb der „Star Wars“-Marke einen derart düsteren, nur von sehr wenigen humorigen Momenten aufgelockerten Film abzuliefern.

„Rogue One“ zeigt den Sternenkrieg nicht als aseptisches Videospiel, in dem ein paar Raumschiffe explodieren, hin und wieder auch ein ganzer Planet, sondern er zeigt die Auswirkungen des Krieges auf jeden einzelnen Kriegsbeteiligten. Und auf die Unbeteiligten.

Rebellenangriffe auf imperiale Truppen und Angriffe der Sturmtruppen auf Rebellen (und Zivilisten) kommen mit einer Intensität von der Leinwand, die stellenweise an die fast unerträgliche Eröffnungssequenz von Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ erinnert. Da wird nicht elegant das Laserschwert geschwungen oder mit dem Blaster aus der Entfernung getötet, da wird Mann (oder Frau) gegen Mann gekämpft, geprügelt und gemetzelt und im Zweifel so lange auf den Gegner eingeschlagen, bis er ganz sicher nicht mehr aufsteht.

Gleichzeitig ist „Rogue One“ der optisch beeindruckendste Film aus dem „Star Wars“-Universum. Ein Kollege von mir formulierte es sehr treffend, als er sagte: „Star Wars hat noch nie so gut ausgesehen“. Das gilt insbesondere für die wunderschönen und gewaltigen Weltraumaufnahmen von Planeten, Monden und vom „Todesstern“, aber auch für die Flugmanöver von X-Wing-Fightern und anderen kleinen Kampfmaschinen. Und ganz nebenbei zeigen die Macher überaus beeindruckend (und auch ein wenig beängstigend), wie real die Computertechnik heutzutage längst verstorbene Schauspieler auf die Leinwand zurückbringen kann.

Zur Geschichte und ihrem Ende selbst will ich nichts weiteres verraten; harte Fans werden sich ohnehin vieles zusammenreimen können und den Anderen will ich nicht die Spannung nehmen. Allerdings kann ich verraten, dass ein weiteres Gerücht über den Film zutrifft: „Rogue One“ endet unmittelbar vor dem Beginn von „Episode IV: Neue Hoffnung“, so daß man eigentlich beide Filme als „Double Feature“ zeigen müsste.

Wer bislang fürchtete, Disney werde mit der Übernahme des „Star Wars“-Franchise nur noch Weichgespültes produzieren mit Blick auf maximalen Niedlichkeitsfaktor für die Spielzeugregale, der sieht sich eines Besseren belehrt. Und es zeigt sich auch, wie gut es ist, dass George Lucas „Star Wars“ aus den Händen gegeben hat, denn unter seiner Ägide hätte dieser großartige Streifen niemals produziert werden können, weil er den dazu erforderlichen Mut, seine Schöpfung von einer ganz anderen Seite zu zeigen, nicht aufgebracht hätte.

Note: 9 von 10 Punkten