Im Einsatz



Mein Freund ist Soldat. Bevor ich ihn kennen gelernt habe, habe ich mir nie viele Gedanken zu unseren Soldaten, zu Soldaten im Allgemeinen gemacht, obwohl mein Vater und auch schon mein Großvater bei der Marine waren. Beide weit länger als die Grundpflicht. Beide haben es "gelebt", Schifffahrt, Kameradschaft, an bestimmte Tugenden kann ich mich gut erinnern. Auch waren beider Beerdigungen im Rahmen der Marinekameradschaft, in der beide bis zu ihrem Tod aktive Mitglieder waren. ...

Auf Instagram fiel mir dann immer wieder ein junger Mann auf, der wahnsinnig interessante Fotos postet. Soldaten mit Kindern. Soldaten mit Tieren.... durchzogen mit Herzlichkeit und Authentizität. Durch meinen Freund, aber auch durch die momentanen Berichterstattungen in sämtlichen Medien bzgl der deutschen Truppen, Kasernen... bin ich da gerade anscheinend ein wenig sensibilisiert. Also schrieb ich diesen Soldaten einfach an, fragte nach einem Interview.

Mich interessiert, was einen jungen Mann dazu bewegt hat, freiwillig zur Bundeswehr zu gehen, was ihm dort widerfährt, ob er sich erneut so entscheiden würde, wie dessen Leben ist, die Familie....


Und zu meiner großen Freude hat sich der Soldat (dessen Namen ich hier nicht nenne) direkt gemeldet, und fand die Idee des Interviews gut!!!! And here we go;

Woher kommst Du und wie bist Du aufgewachsen? Stammst Du aus einer Militärfamilie?

⁠⁠Ich bin aufgewachsen zwischen Köln und Bonn, der Ort nennt sich Niederkassel-Mondorf, ein wunderschönes Fleckchen am Rhein. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, da meine Eltern beide berufstätig sind. Ich stamme aus einer Hotel- und Restaurant-Familie, mein Opa hat angefangen, sich in mittlerem Alter ein Restaurant zu erbauen und später ein Hotel. Daher war ich die meiste Zeit meiner Jugend auch dort immer am aushelfen. Der einzige, der aus meiner Familie beim Militär war, war mein Vater, der aber auch nur seinen Grundwehrdienst dort geleistet hatte und sich dann selbständig gemacht hatte. Dementsprechend viel Informationsaustausch darüber hat nicht stattgefunden.

Und wie bist Du auf den Beruf SOLDAT aufmerksam geworden?

Ich bin auf die Bundeswehr gekommen, als ich meine damalige 1. Freundin kennen gelernt habe, da sie in einer Militärfamilie groß geworden ist. Mich hat es angezogen, als ich sie immer heimkommen sehen habe in Uniform und dachte, das würde mir bestimmt auch gut stehen..., also legte ich los, mich im Internet darüber zu informieren. Das ganze war 2008. Viele Informationen ließ das Internet nicht zu, da das Social Media nicht so bekannt war und die Bundeswehr erst später darüber Werbung und Informationen streute.

Ich setze mich abends des Öfteren mit den Eltern zusammen und holte mir dort die Infos. Der Vater meiner Freundin riet mir aber, vorher etwas Ziviles zu lernen. Ich begann eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker. Machte diese auch bis zur Zwischenprüfung, doch ich merke, dass das nichts für mich ist. Also begann ich erneut mit der Recherche und suchte mir die Nummer des Zentrums für Nachwuchsgewinnung heraus und machte dort einen Termin für ein Informationsgespräch. Der Mann, der darauf geschult war, schaffte es natürlich, mich davon zu überzeugen mich dort zu bewerben.

Und wußtest Du direkt, in was für eine Einheit Du kommst?

Ich habe die Ausbildung abgebrochen und mich beworben. Das Ganze ging auch recht schnell bis zum Vorstellungstermin.Ich absolvierte dort alles und wurde für den Dienst im Objektschutzregiment Friesland vorgeschlagen. Bewerben und informieren kann man sich gut auf deren Homepage. Das ist heute ganz anders als damals...

www.bundeswehrkarriere.de

Ich wusste damit erst überhaupt nichts anzufangen. Doch ich erhielt eine Menge Informationen seitens der Bundeswehr und auch die Platform YouTube einige Videos dieser Einheit.

https://www.youtube.com/user/Bundeswehr

Darunter auch Ausschnitte aus den Einsätzen aus Afghanistan. Ich nahm das Angebot an und erhielt ein Datum für den Antritt meines Dienstes zur Grundausbildung, die ich in Mengen/ Hohentengen ( Nähe Bodensee) machte.

Dort merkte ich schnell, dass die Bundeswehr genau das ist, was ich mir beruflich vorstelle. Die Anforderungen waren nicht allzu hoch und ich suchte immer neue und stärkere Herausforderungen. Nach Ablauf der 3 Monate ging es in die Stammeinheit Schortens. Im Vorfeld haben sie einen verrückt gemacht, "dass es dort kaum einer schaffen würde" und "die Anforderungen dort enorm sind", da es ein Einsatzverband für Afghanistan sei... Ich ließ mich davon nicht beeindrucken, denn jeder bildet sich selbst seine Meinung darüber. Dort angekommen, sah ich schon die ersten Menschen mit Baumstämmen durch die Gegend laufen. Ich dachte mir nur: "Oh mein Gott!", scheinbar ist es wohl doch so wie alle erzählen!

Die komplette Ausbildung ging dort knapp 9 Monate und nannte sich "Combat Ready." Man wurde in sämtlichen Waffen ausgebildet, wurde auf Führerscheine geschickt und an Übungen und auch Schießübungen haperte es nie.


Ich habe gefühlt mehr Zeit im Wald verbracht als in meinem Bett in der Stube. Ich fühlte mich auf jeden Fall auf jede Situation vorbereitet! Dann kam das Datum für eine Versetzung nach Afghanistan. Die folgenden Übungen waren eine Art Konkurrenzkampf, denn nur das beste Personal kommt mit!


Was sind Deine schönsten Erinnerungen an Deine Jahre bei der Bundeswehr?

Ich habe in der Zeit viele Menschen kennen gelernt, und das auch intensiver als sogar die eigenen Freunde im Sozialumfeld. Darunter einen ganz besonders - meinen so genannten "Buddy" . Seit nun mehr als 7 Jahren lebe ich mit ihm zusammen und wir gehen zusammen durch dick und dünn. Mit ihm habe ich alles erlebt im Dienst und auch privat. Das ist eine der schönsten Erinnerungen an die BW, denn zu so was wird man im zivilen Leben niemals kommen.

Sollten Deine Kinder je in Deine Fußstapfen treten wollen und sich für eine Ausbildung bei der Bundeswehr entscheiden, wie würdest Du reagieren?

Ich habe noch keine eigene Familie.

Da die derzeitige Situation der Bundeswehr ziemlich negativ in den Medien gezeigt wird, würde ich es trotz alle dem meinen Kindern nicht verbieten! Ich würde sie darüber in Kenntnis setzen was auf sie zukommen wird und daß sie ihr Privatleben etwas eingrenzen müssen.


Wie alt warst Du bei Deinem ersten Einsatz?

Ich selbst war mit 19 das erste mal in Afghanistan, in der Zeit wo meine Freunde in ihrer Blütezeiten waren und das Wichtigste für sie Party machen war. Ich wurde in dem Einsatz geprägt und in die Schiene, was im Leben wichtig ist, gelenkt, worauf es ankommt und daß man mit dem Geringsten leben kann. Daß man nicht alles haben muss, bzw alles machen muss.

Wie reagieren Deine Freunde und Deine Familie auf Deinen Beruf?

Meine Freunde und meine Familie haben davor einen Riesenrespekt und sagten selber schon des Öfteren, daß sie diese Zeit und Formung gebraucht hätten. Ich genieße es auch ein wenig, daß sie zu mir heraufschauen.

Und wie wirkt sich das auf eine Partnerschaft aus?

Das Ganze wirkt sich natürlich negativ auf die Partnerschaft aus! Ich habe seit meiner Zeit als Berufssoldat 3 Beziehungen gehabt, die leider jedes Mal zerbrochen sind. Worüber ich aber keiner Partnerin böse sein kann und ich ihnen jedes Mal meinen vollsten Respekt erkannt habe!

Denn es ist nicht einfach, seinen Partner immer nur von Freitagabend bis Sonntag Mittag zu sehen und darauf eine Beziehung aufzubauen. Hinzu kommen ziemlich oft Übungsplatzaufenthalte, die mehrere Wochen gehen. Also wird dadurch selbst das Wochenende genommen.


Wie reagieren Frauen auf Deinen Beruf?

Ich merke, daß ziemlich viele Frauen Respekt davor haben, daß man Soldat ist und auch in Auslandseinsätze geht. Aber der Großteil davon schreckt auch wieder zurück, wenn man sagt, daß man nur am Wochenende zuhause ist und selbst das manchmal ausbleibt. Dazu kommen die Einsätze von einer Dauer von mindestens 4 Monaten.

Siehst Du Dich häufig mit Vorurteilen konfrontiert?

Die meinsten Vorurteile entstehen nach dem Einsatz in Form von Fragen über Fragen...

Die Häufigste ist "hast du geschossen?" oder "hast du wen umgebracht?". Das sind einfach Fragen, denen sollte man gekonnt aus dem Weg gehen und erst überhaupt nicht beantworten.