Die Weltkugel


Der Globus


Ich stehe auf antike Dinge. Seien es Möbel oder Schmuck, alte Vespas… alles, was etwas erzählen könnte. Eine Geschichte hat. Demnach bleibe ich auch oft vor dem Schaufenster verschiedener Antiquitätenhändler stehen. Meistens sind deren Auslagen ein Traum und weit entfernt von meinem Budget. Seitdem ich 19 bin „arbeite“ ich mit Barry zusammen. Ich suche mir Schmuckstücke aus, - und zahle die in Raten, je nachdem, wie ich kann ab. Das ist wahnsinnig großzügig von ihm und im Laufe der Jahre ist eine Freundschaft entstanden. Jedenfalls stand ich vor etwas mehr als 2 Jahren im Grünburgweg in Frankfurt einmal mehr vor einer tollen Auslage, Yves Daull, - so wunderschöne ArtDeko Lampen verkauft er, -wahnsinn! Ida stand neben mir und entdeckte einen alten Globus. Damals war sie knapp 6 meine ich. Sie war hin un d weg, - der Laden leider geschlossen. Ein paar Tage später erinnerte sie mich an „ihre“ Weltkugel, ob wir da nochmal hingehen können, vielleicht sei der Laden ja geöffnet… Haben wir gemacht. 360 Euro wollte der Händler für den wirklich schönen Globus haben. Außerhalb des Budgets, weit außerhalb ;) Also began Ida, zu sparen. Im Sommer verkaufen die Kinder Limonade, im Urlaub Rainbow Loom Armbänder und alles was irgendwie an Geld dazukam, wurde gespart. Ich muss dazu sagen, dass meine Kinder keine Großeltern mehr haben, Tanten ja, aber wir haben uns auf max 15 euro Geschenke geeinigt oder Zeitgeschenke… Beides war nicht wirklich von Vorteil für Ida ;) 116 Euro hatte sie zusammen, als sie immer nervöser wurde. Ich musste mindestens jeden zweiten Tag am Laden vorbei fahren, schauen, ob IHR Globus noch da sei… Vorletzte Woche regnete es und aus irgendeinem Grund stand bei uns mal nichts an; kein Sport, kein Arzt, keine Verabredung nach der Schule…. und das Licht brannte. Direkt vor dem Geschäft war auch noch ein Parkplatz frei , - das iist in der Frankfurter Innenstadt, bzw. dem Nordend WIRKLICH etwas besonderes.

Ida´s Gesicht, als sie merkte, dass wir TATSÄCHLICH reingehen, bzw. dieses probieren, - so wunderbar. Greta, Ida und ich stiegen aus, und schwups waren wir im süßen, kleinen, etwas durcheinandergewirbelten aber individuellen Antiquitätenladen. Der Verkäufer konnte sich nicht mehr an uns erinnern, - glaube ich. Schätzungsweise Mitte 50, nicht dick, nicht dünn, wirkt er ruhig und durch seine Brille belesen, begrüßte uns. Nicht zu freundlich aber auch nicht grimmig, definitiv eigenbrötlerisch aber nicht unfreundlich. Eher charmant neugierig, aber nicht aufdringlich. Schwierig, zu beschreiben. Jedenfalls stand der Globus nicht mehr auf dem antiken Schreibtisch, we die Tage zuvor, - der Schreibtisch, samt Globus war nur verrückt ;) Ida erzählte dem Herren, wie sehr sie sich „ihren“ Globus wünscht, und dass sie seit zwei Jahren spart. Dann übernahm ich , und fragte, ob wir diesen anzahlen dürften. Der Mann hörte die ganze Zeit geduldig zu, auch das wieder in einer sehr eigenen Körpersprache, - kein Lächeln, zustimmen, nicken oder ähnliches, aber auch nicht unfreundlich, - im Gegenteil, er hörte Ida richtig zu! Er fragte, wieviel sie bereits gespart habe. Ida : 111 Euro. Er schaute ida wieder eindringlich an, dann drehte er sich um, nahm den Globus in die Hand. Sagte zu Ida, dass sie sich auch wirklich ein schönes Stück ausgesucht hat. Ida strahle als der Globus nah vor ihr war, strich vorsichtig über diesen. Da sagte er, wie toll er findet, dass sie auf so einen schönen Gegenstand spart und nicht auf ein Computerspiel oder ähnliches. Drückte Ihr die GROSSE Weltkugel in die Hand und sagte, 111,00 Euro, den Rest erlässt er ihr!

Idas Gesicht! Der gesamte kleine Körper erstarrte! ich wie immer nah am Wasser gebaut, fing beinahe an zu heulen, musste erstmal mein Geld rauskramen, - Ida hatte ihr Erspartes ja nicht dabei. Zum Glück war ich kurz zuvor bei der Bank… Jedenfalls verließ Ida das tolle Geschäft, -mit dem wunderbaren Menschen der diesen Liebhaberladen betreibt überglücklich!!!!! Der Globus steht in ihrem Zimmer und sie freut sich wirklich jeden Tag!!!! Ich habe überlegt, wie ich dem Herren danken kann, - ich werde die Tage ein paar Zeilen schreiben, - ich möchte ihn wissen lassen, dass ich diesen Augenblick, seinen Akt der Nächstenliebe nie wieder vergessen werde. Bei Ida kann ich dieses nur vermuten, - aber ich gehe fest davon aus. Ob er weiß oder erahnen kann, was er mit dieser großzügigen Geste bewirkt hat? Ich werde die Karte zusammen mit einem schönen Adventskalender (den Ida aussucht) mit ihr zusammen in das Geschäft bringen, ich möchte mich nochmal bedanken. Er hat ein kleines Mädchen, deren Schwester und mich sehr berührt. Und ich glaube, beide Mädchen haben etwas verstanden,- ich kann nur hoffen, dass sie ähnliches weitergeben werden.