Star Wars Episode VIII: Ein Triumph!


Morgen geht es offiziell los mit der 8. Star Wars Episode. Schon aufgeregt?

Mein Freund Andreas ist ein Riesenfan und war vorab in der Pressevorführung. Hier sein kurzer Bericht, um den ich ihn für 11 Orchid gebeten hatte ;-)


Bevor ich zur Pressevorführung des neuen „Star Wars“ ging, der mittlerweile achten Episode der Sternensaga mit dem unheildräuenden Titel „Die letzten Jedi“, dachte ich darüber nach, dass aus dieser Geschichte eigentlich nicht mehr viel Neues herausgeholt werden kann, und demzufolge erwartete ich solide, aber wenig überraschende Unterhaltung.

Ich hätte nicht falscher liegen können.

Dabei hätte ich durchaus mehr Vertrauen haben sollen, ja müssen, denn bereits der im letzten Jahr erschienene, großartige, rauhe Kriegsfilm „Rogue One“, der die Vorgeschichte zum allerersten „Star Wars“ von 1977 erzählt, hat gezeigt, dass das von George Lucas erdachte Märchenuniversum „vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis“ durchaus noch mit Knalleffekten aufwarten kann, wenn es in den Händen von fähigen Autoren und Regisseuren liegt.

Und während „Episode VII – Das Erwachen der Macht“ zwar sehr unterhaltsam, aber überaus konventionell daherkam und mit der faktischen Neuerzählung von „Episode IV – Neue Hoffnung“ auf Nummer Sicher ging, bürstet die neueste Installation des Franchise die in 40 Jahren gewachsenen Erwartungen der Fans gehörig gegen den Strich.

Zwar gibt es wieder eine gewaltige Weltraumschlacht, aber die wird gleich zu Beginn ausgefochten und nicht, wie üblich, am Ende, und sie endet zudem in einem Patt. Zwar gibt es den draufgängerischen Helden à la Han Solo, aber der baut gewaltigen Mist mit katastrophalen Folgen und verursacht auch in der Folge mit seiner Impulsivität mehr Schaden als Nutzen. Zwar gibt es die übliche „Wenn wir dieses Gimmick der Bösen zerstören, sind wir gerettet“-Mission, aber die läuft vollkommen anders als erwartet.

Zwar wird die von Fans heiß umspekulierte Herkunft der jungen Heldin Rey enthüllt, ist aber so erstaunlich, dass garantiert niemand damit gerechnet hat. Und zwar steht der im letzten Film erst ganz am Schluss zu sehende Luke Skywalker vor der Aufgabe, die Jedi-Fähigkeiten von Rey auszubilden, geht mit dieser aber keineswegs so um wie einst sein Lehrmeister Yoda. Kurz: „Episode VIII“ bewegt sich vollkommen überraschend fast durchweg abseits der ausgetretenen Pfade der bisherigen Sternenkriegsabenteuer.

All das Überraschende wäre jedoch wenig wert, wenn es nicht überzeugend verpackt wäre, aber auch in dieser Hinsicht liefert „Die letzten Jedi“ voll und ganz ab: Die Handlung ist so dicht gewoben, dass man auch zwei Filme daraus hätte machen können, so dass der Streifen trotz seiner Rekordlänge von zweieinhalb Stunden nicht eine Sekunde langweilig ist.

Die schauspielerischen Leistungen sind teilweise exzellent; allen voran brilliert der leider stets unterschätzte Mark Hamill, der schon in „Das Erwachen der Macht“ mit einem einzigen Blick unfassbar viel erzählen konnte, als von Schuldgefühlen und Defaitismus geplagter Jedi Luke Skywalker. Daisy Ridley präsentiert ihre Rey erneut als kämpferische Amazone die aber gleichzeitig verzweifelt auf der Suche nach ihrem „Platz in all dem“ ist. Adam Driver als Kylo/Ben, der in „Episode VII“ eher wie ein Milchbubi wirkte, zeigt den Konflikt seiner Figur diesmal sehr eindringlich, Laura Dern in einer Nebenrolle als Vizeadmiralin ist unendlich attraktiv und Benicio del Toro ist, nun ja, eben Benicio del Toro. Und wie schön ist es, dass die vor einem Jahr verstorbene Carrie Fisher sich würdig verabschiedet und nicht, wie im Vorgänger, mit einem zur Botoxmaske erstarrten Gesicht.

Im technischen Bereich setzt „Star Wars 8“ natürlich wieder Maßstäbe: Die Schauwerte sind gigantisch, die Farben, insbesondere das immer wieder dominierende Rot, sind überwältigend, die Soundeffekte lassen einen die zahlreichen Explosionen körperlich spüren und gegen Ende gibt es eine Raumschiffzerstörung zu sehen wie es im Kino noch nie eine gab – so anders, so beeindruckend, so überwältigend, dass selbst die routinierten Filmjournalisten in der Vorführung spontan in Applaus ausbrachen.

Das Ganze ist durchweht von einem kräftigen Hauch Wehmut, denn es wird deutlich, dass „Star Wars“ bald vollständig an eine neue Generation übergeben sein wird. Die Helden unserer Jugend sind alt geworden (und wir mit ihnen, wie einem erschreckend klar wird), und spätestens, wenn urplötzlich und vollkommen unerwartet ein alter Bekannter wieder auftaucht, manifestiert sich der über allem schwebende Abschied als gewaltiger Kloß im Hals.

Am Schluss, wenn die Geschichte eigentlich schon zu Ende ist, folgt noch eine Coda, die gleichzeitig in die Zukunft weist und in die Vergangenheit zurückführt, und jeder, der als Kind oder Jugendlicher erstmals Zeuge wurde, wie der junge Luke Skywalker sehnsüchtig in den doppelten Sonnenuntergang von Tattooine schaute und von Abenteuern im unendlichen Weltall träumte, wird an dieser Stelle Tränen in den Augen haben.

„Die letzten Jedi“ ist, man darf das sagen, ein Triumph, eine grandiose Infusion frischen Blutes für die Sternensaga. Fans halten gemeinhin die Episode V, „Das Imperium schlägt zurück“, für den besten aller „Star Wars“-Filme, aber schon „Rogue One“ kratzte an diesem Nimbus. Ein Vergleich fällt schwer, denn vor 37 Jahren traf „Empire“ uns (damals noch jugendliche) Zuschauer noch auf einer vollkommen anderen, emotionaleren Ebene, aber wenn man beide Filme nüchtern zu betrachten versucht, dann ist „The Last Jedi“ vermutlich der bessere der beiden und damit der (bisherige) Höhepunkt der Reihe.

„Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi“ hat eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren, kann aber auch Zehnjährigen gezeigt werden, wenn sie nicht übermäßig sensibel sind.